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Wie oft sollte man dehnen? – Häufigkeit, Wirkung und aktuelle Studienlage

Dehnen gehört für viele selbstverständlich zum Training, zur Therapie oder zur Rehabilitation dazu. Trotzdem stellt sich immer wieder die Frage:

Wie oft sollte man dehnen, damit sich die Beweglichkeit wirklich verbessert?

Täglich? Mehrmals pro Woche? Oder nur bei Bedarf?

Die wissenschaftliche Studienlage zeigt: Entscheidend ist nicht, möglichst oft zu dehnen, sondern regelmäßig und strukturiert.


Was passiert beim Dehnen?

Dehnübung zur Verbesserung der Beweglichkeit im Rahmen von Physiotherapie, Training und Prävention von Muskel- und Gelenkbeschwerden

Beim Dehnen werden Muskeln, Sehnen und umliegende Gewebestrukturen unter Zug gesetzt. Kurzfristig verbessert sich die Beweglichkeit vor allem durch eine erhöhte Dehntoleranz des Nervensystems – nicht, weil sich der Muskel sofort verlängert.

Langfristige Verbesserungen entstehen erst durch wiederholtes Dehnen über mehrere Wochen. Dabei passt sich das Gewebe schrittweise an die Belastung an, wodurch der Bewegungsumfang nachhaltig größer werden kann.


Wie häufig sollte man dehnen?

Eine systematische Übersichtsarbeit Marques et al. (2009) zeigt, dass bereits eine moderate Trainingsfrequenz ausreicht, um die Beweglichkeit messbar zu verbessern.

Ergebnisse der Studienlage:

  • 2–3 Dehneinheiten pro Woche reichen aus, um die Beweglichkeit zu steigern

  • Entscheidend ist die Gesamtdauer pro Muskelgruppe, nicht zwingend tägliches Dehnen

  • Programme über mindestens 4-6 Wochen zeigen die zuverlässigsten Effekte

Auch das Positionspapier des Bandy et al. (1997) empfiehlt:

  • Jede große Muskelgruppe mindestens 2-3 mal pro Woche dehnen

  • Haltezeiten von 10-30 Sekunden pro Dehnung

  • 2-4 Wiederholungen pro Muskelgruppe

  • Bei älteren Menschen oder stark verkürzten Strukturen können längere Haltezeiten sinnvoll sein


Muss man täglich dehnen?

Für die meisten Menschen gilt: Tägliches Dehnen ist nicht notwendig.

Wichtiger als die Häufigkeit ist die Regelmäßigkeit über mehrere Wochen. Zwei bis drei strukturierte Einheiten pro Woche reichen in der Regel aus, um die Beweglichkeit zu verbessern.

Häufigeres Dehnen kann sinnvoll sein bei:

  • stark eingeschränkter Beweglichkeit

  • Rehabilitationsphasen nach Verletzungen

  • spezifischen therapeutischen Maßnahmen

  • Leistungssport mit hohen Beweglichkeitsanforderungen

In diesen Fällen sollte die Häufigkeit individuell angepasst werden.


Sollte man vor dem Sport dehnen?

Die aktuelle Evidenz zeigt, dass langes statisches Dehnen direkt vor intensiver Belastung die Maximalkraft kurzfristig leicht reduzieren kann.

Deshalb gilt:

  • Vor dem Training → eher dynamisches Aufwärmen

  • Nach dem Training → statisches Dehnen möglich

  • Separate Mobilisations- oder Dehneinheiten sind ebenfalls sinnvoll

Dehnen ist also nicht grundsätzlich schlecht vor dem Sport, sollte aber passend zum Ziel eingesetzt werden.


Fazit: Wie oft sollte man dehnen?

Für die meisten Menschen gilt:

  • 2-3 mal pro Woche dehnen reicht aus

  • Entscheidend ist die regelmäßige Durchführung

  • Effekte zeigen sich meist nach mehreren Wochen

  • Tägliches Dehnen ist nur in bestimmten Fällen notwendig

Wer seine Beweglichkeit gezielt verbessern möchte, sollte Dehnen wie ein Training betrachten – mit Struktur, ausreichender Dauer und Kontinuität.


Quellen:

  • Marques, A. P., Vasconcelos, A. A., Cabral, C. M., & Sacco, I. C. (2009). Effect of frequency of static stretching on flexibility, hamstring tightness and electromyographic activity. Brazilian Journal of Medical and Biological Research, 42(10), 949–53. https://doi.org/10.1590/s0100-879x2009001000012

  • Bandy, W. D., Irion, J. M., & Briggler, M. (1997). The effect of time and frequency of static stretching on flexibility of the hamstring muscles. Physical therapy, 77(10), 1090–1096. https://doi.org/10.1093/ptj/77.10.1090


Person beim Dehnen der Beinmuskulatur zur Verbesserung der Beweglichkeit – Physiotherapie, Training und Prävention von Muskelverspannungen

 
 
 

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